SJCC Swiss-Japanese Chamber of Commerce
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Young Professionals/Portraits

1 Die Einsteigerin – Sarah Ehrensperger

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Im Oktober 2013 flog die junge Winterthurerin Sarah Ehrensperger nach Tokio, um ein Jahr in Japan zu verbringen.

© Simon Kneubühl
Author
David Iselin
Published
September 2014

Sarah. Wir sind an einem Mittwochmorgen früh in Winterthur am Bahnhof verabredet. Sarah wartet wie verabredet um 7:15 Uhr am Bahnhof. Es ist kühl, der Bahnhof bereits sehr geschäftig. Da wir uns vorher noch nie getroffen haben, ist es die klassische Blind Date-Situation. Scheue Frage, ob die andere Person denn diese sei, die man suche. Wir schaffen es auf Anhieb.

Wir gehen ein paar Schritte in eine Beiz, da das Café direkt vis-à-vis des Bahnhofes zu dieser frühen Stunde – angesichts der Pendlerströme eher überraschend – noch geschlossen hat. Der Kaffee in Winterthur ist, was zuerst einmal auffällt, billiger als in Zürich. Doch um Kaffeepreise geht es nicht. Alles dreht sich um Sarah, Japan, Sarah und wieder Japan.

Unser Treffen findet knapp drei Wochen vor Sarahs Abreise nach Japan statt. Sie wird Winterthur für Shinjuku tauschen, diesen Koloss im Moloch Tokio. Genauer gesagt wird Sarah sich in Shin-Okubo niederlassen. Shin-Okubo, für alle die noch nie in Tokio waren, ist ein Stadtteil voller koreanischer Geschäfte, Restaurants und, ja, Koreaner. Shin-Okubo, eine Station Richtung Norden vom Bahnhof Shinjuku entfernt. Dort besucht Sarah die Kai Sprachschule (eine langjährige Favoritin unter den Stipendiaten der SJCC). Bald wird sie mit den ähnlichen Problemen zu kämpfen haben, die jeden Neuankömmling in Japan erwartet: Wohnen, Bankkonto, Telefon. In dieser Reihenfolge.

Das Wohnen konnte Sarah bereits lösen. Sie hat sich für eine Wohngemeinschaft (in Japan nach wie vor eher selten) entschieden, wo garantiert die Hälfte der Bewohner Japaner sein sollen. Am Japanischen dürfte Sarah nicht scheitern, sie spricht die Sprache bereits (ihre Mutter ist Japanerin). Sie ist sogar in Japan geboren, hat das Land aber früh in ihrem Leben verlassen. Schon lange hatte sich Sarah überlegt, ob es eines Tages eine Möglichkeit für sie gebe, für längere Zeit in ihr Mutterland zurückzukehren. Nun ist die Möglichkeit da.

Die Aufregung, dass sie bald für mindestens ein Jahr in Japan sein wird, ist Sarah anzumerken. Erst vor wenigen Wochen hat sie ihr Studium an der ZHAW School of Management and Law erfolgreich beendet. Viele ihrer Mitstudenten sind jetzt auf Arbeitssuche oder bereits am Arbeiten. Für sie kommt nun alles anders. Weg von Winterthur. Vieles sei noch offen, meinte sie etwas beunruhigt angesichts der nahenden Abreise in ein Land, mit dem sie zwar stark verbunden ist, das sie aber nur ferienmässig kennt. Zudem hätte sie in Tokio nur wenige Kontakte. Ich versuchte, so gut es geht, sie zu überzeugen, dass es grossartig werden wird.

Ein Jahr in Japan ist ein grosses exotisches Abenteuer. Das denkt im Übrigen auch Sarah. Sarahs Erwartungen, Befürchtungen, die sie mir an jenem Mittwochmorgen in Winterthur erzählte, sind exemplarisch für die Gefühle all jener, die vor Sarah vor einer Abreise nach Japan standen. Die Aufregung kurz vor dem Abflug. Die Vorstellung, dass vielleicht Japan nicht nur für ein Jahr, sondern für viele der neue Lebensort sein wird, sein könnte.

*Weitere Berichte der über 200 Stipendiaten, zu denen auch der Autor und der Fotograf dieses Artikel gehören, finden Sie hier